Rupp Spritzguss-Technik

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Die Märkte verändern sich heute so rasant, dass der Wandel das einzig Beständige scheint.
Andreas Rupp im Interview: Zukunftsradar Spritzguss.Die Märkte verändern sich heute so rasant, dass der Wandel das einzig Beständige scheint. Für Unternehmen bedeutet das ständige Anpassung und Vorausschau, damit sie auch künftig erfolgreich bestehen können. Im Interview  mit der Newsletter-Redaktion spricht Geschäftsführer Andreas Rupp über die Entwicklungen, die die Kunststoffbranche und die Firma Rupp künftig beeinflussen werden, über neue Produkte und Materialien.

Herr Rupp, für die Kunststoffherstellung braucht man Erdöl und das ist ein knappes und damit teures Gut. Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn das Erdöl ausgeht?

Andreas Rupp: Darüber hat wohl jeder, der mit Kunststoff arbeitet, schon nachgedacht. Dass Erdöl endlich ist, wissen wir. Kritisch wird es aber vermutlich erst in einigen Jahrzehnten. Trotzdem muss man sich heute bereits mit Alternativen befassen. Im Moment wird sehr viel ausprobiert. Man experimentiert mit neuen Biokunststoffen, also Kunststoffen aus nachwachsenden Materialien. Andererseits befasst man sich mit der Ausbeute schwer zugänglicher Ölvorkommen wie den Öl-Sand-Feldern in Kanada. Im Moment ist der Abbau noch nicht umweltverträglich, aber das kann sich durch neue Techniken sehr schnell ändern.

Sind die Biokunststoffe für Sie eine Alternative zum herkömmlichen Kunststoff?


Sie werden noch nicht sehr häufig eingesetzt. Manche werden auf Holzbasis hergestellt. Das ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, aber dennoch nicht unendlich verfügbar. Man muss sicherstellen, dass nicht für Biokunststoffe Regenwälder abgeholzt werden, was angesichts der Menge an Kunststoff, die wir weltweit benötigen, nicht so unwahrscheinlich ist. Ein weiterer Faktor ist die Rentabilität. Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung alternativer Stoffe weiter voranschreitet, aber mittelfristig gehe ich davon aus, dass das Recycling im Vordergrund stehen wird.

Kann die Recyclingware neuen Kunststoff ersetzen?

Bedingt. Die Verarbeitung ist schwieriger, die Schwankungen im Prozess größer und es gibt mehr Ausschuss, allerdings variiert das je nach Qualität der Recyclingware. Hier liegt es an uns als Spritzgießer, die Verarbeitungsqualität zu verbessern und unsere Prozesse entsprechend anzupassen. In der Zusammenarbeit von Material- und Maschinenherstellern und Produzenten lassen sich hier bestimmt gute Lösungen finden.

Einer der großen Trends ist die E-Mobility. Sie arbeiten für die Autoindustrie beziehungsweise deren Zulieferer. Werden Elektroautos die Teile, die Sie momentan fertigen, noch brauchen?

Elektroautos brauchen vielleicht nicht dieselben Teile, aber andere. Wir haben bereits jetzt Kundenanfragen, die zeigen, dass hier bereits in großen Dimensionen gedacht wird. Außerdem wird es auf absehbare Zeit weiterhin mit Benzin und Diesel betriebene Fahrzeuge geben. Aber natürlich machen wir uns im Führungskreis Gedanken darüber, ob unsere Geschäftsfelder zukunftsfähig sind und wie wir sie gegebenenfalls verändern oder erweitern müssen. Glücklicherweise sind wir für unterschiedliche Branchen tätig. Mit Verschiebungen muss man immer rechnen. Wir hatten früher eine Kundengruppe, die für bis zu 40 Prozent unseres Umsatzes gesorgt hat, heute sind es null Prozent. Wichtig ist es, solche Verschiebungen rechtzeitig zu erkennen und sich entsprechend neu auszurichten.

Gibt es denn auch völlig neue Produkte, die Sie als zukunftsfähig betrachten?

Es gibt immer wieder interessante Produkte. Vor kurzem haben wir uns zum Beispiel mit Teilen für ein Osmose-Kraftwerk befasst. Die Technik ist bestechend und passt zu den Trends für Ökologie und Nachhaltigkeit. Ein Osmose-Kraftwerk nutzt den unterschiedlichen Salzgehalt von Süß- und Salzwasser und produziert so Strom. In Norwegen steht südlich von Oslo die bisher einzige Anlage. Noch sind solche Kraftwerke nicht konkurrenzfähig und besonders die Membrantechnologie muss noch verbessert werden, doch es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis weitere Kraftwerke entstehen und wir bleiben dran.

Was ist für Sie der wichtigste Baustein, um Ihr Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen?

Das sind verschiedene Punkte: Wir müssen natürlich stetig an der Verbesserung unserer Qualität und unserer Prozesse arbeiten. Das ist selbstverständlich. Wir lernen in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Lieferanten und nutzen unsere Kompetenzen für neue Aufgaben und entwickeln uns weiter. Der wichtigste Punkt ist meiner Ansicht nach, nicht auszuruhen und neugierig zu bleiben. Wir haben zwar im Moment genug zu tun, aber wir sind immer offen für Neues und „geht nicht“ ist ein  Satz, den ich nicht hören möchte.

geschrieben am 27.08.2012 um 15:40 Uhr.