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Wir kennen es alle: Die Idee, die uns am Schreibtisch absolut nicht einfallen will, überfällt uns unvermittelt unter der Dusche, beim Joggen oder Spazierengehen. Doch warum ist das so? Ist Kreativität zufällig, nicht steuerbar?
Buchtipp: Wo gute Ideen herkommenDer Wissenschaftsjournalist Steve Johnson ist der Frage, wann und warum es plötzlich „klick“ macht, nachgegangen und hat herausgefunden, dass es sehr wohl Faktoren gibt, die uns dabei helfen, ideenreich zu sein. Dafür hat er sich die Geschichte bahnbrechender Innovationen angeschaut, nach Mustern gesucht und daraus Empfehlungen abgeleitet.  Er hat festgestellt, dass die Entstehung von Innovation immer denselben sieben Mustern folgt. Innovationen entstehen danach, weil sich diejenigen, die die Idee hatten, auf das Nächstmögliche konzentrierten, sich in so genannten flüssigen Netzwerken bewegten, Ahnungen hatten, denen sie folgten, sich Anregungen aus Büchern oder anderen Tätigkeiten holten, sich von einem Irrtum nicht entmutigen ließen, Funktionen auf andere Anwendungsbereiche übertrugen und das Wissen von Plattformen nutzten.

Öffnung nach außen

Die Grunderkenntnis von Johnson ist, dass Ideen desto besser entstehen und gedeihen, je vielfältiger die Anregungen von außen sind. Das heißt in der Konsequenz, in Unternehmen, in denen jeder nur in seinem eigenen kleinen Fachgebiet arbeitet und sich nur selten mit anderen austauscht, haben Ideen keinen guten Nährboden. Je offener die Atmosphäre, desto wahrscheinlicher und größer die Ausbeute an Ideen.

Größte Aufmerksamkeit widmet Johnson den so genannten flüssigen Netzwerken. Er schreibt: „Flüssige Netzwerke erschaffen eine Umgebung, in der halb fertige Ideen miteinander in Verbindung treten können; sie sind eine Art Partnervermittlungsagentur für vielversprechende Ahnungen.“ Damit meint er den Austausch in der Gruppe, zufällige Beobachtungen, die eventuelle Ahnungen verfestigen und ähnliches mehr. Dafür hat er zahlreiche Beispiele parat. Der Arzt Stephane Tarnier erfand den Brutkasten für untergewichtige Babys, nachdem er bei einem Zoobesuch Küken in Brutkästen gesehen hatte. Für Entwicklungsländer wurden robuste Brutkästen entwickelt, die sich aus Autoteilen zusammensetzen, also aus Material gebaut werden, das vor Ort vorhanden ist. In beiden Fällen wurde aus Bestehendem etwas Neues erdacht und erschaffen.

Die vernetzte Welt mit ihren zahllosen Informationen und Verbindungen betrachtet der Autor als idealen Innovationstreiber, weil wir dort mit Informationen versorgt werden, die sonst gar nicht zugänglich wären. „Geht es um Innovationen, ist es ganz entscheidend, dass auch Information aus vollkommen anderen Kontexten und Systemen  zur Verfügung steht, schreibt Johnson. „Was macht Großstädte und das World Wide Web so innovativ? Beides sind Umgebungen, in denen die wichtigste aller Ressourcen unweigerlich weitergegeben, neu verknüpft und kombiniert wird: Information.“

Johnsons Erkenntnisse sind insgesamt nicht neu, denn es ist längst Konsens – zumindest in der Wissenschaft -, dass Innovation Freiheit und Offenheit braucht. Was das Buch lesenswert und inspirierend macht, sind die Beispiele. Sie versetzen den Leser in die Lage, Johnsons Erkenntnisse für seine eigene Lebens- und Arbeitswelt brauchbar zu machen.

Wo gute Ideen herkommen von Steven Johnson, Scoventa-Verlag, ISBN 978-3942073103, € 19,90

geschrieben am 11.03.2014 um 09:35 Uhr.