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Oft stehen wir vor Entscheidungen, die schwer zu treffen sind, besonders im Hinblick auf die Zukunft. Das Einzige, was dabei hilft, ist die Beurteilung der Risiken.
Buchtipp: Risiken besser beurteilen

Damit tun wir uns schwer, denn wir tappen in unzählige Fallen. Wunschdenken, Herdentrieb, Ungenauigkeit, Alles-oder-nichts-Denken und vieles mehr hält uns davon ab, Risiken realistisch einzuschätzen und gute Entscheidungen zu treffen. Der Psychologe Dylan Evans empfiehlt, die Risikointelligenz zu trainieren. Risikointelligenz ist für ihn die Fähigkeit, Wahrscheinlichkeiten möglichst genau einzuschätzen und in unklaren Situationen mit hoher Trefferquote auf das richtige Pferd zu setzen.

Den Grund für zahllose Fehleinschätzungen sieht Evans in den Vorgängen, die sich in unserem Hirn und unserem sozialen Umfeld abspielen und derer wir uns in der Regel gar nicht bewusst sind. Unser Vorwissen und unbewusste Programme täuschen uns immer wieder. Einige der Kapitelüberschriften geben Hinweise auf die Richtung, in die uns Evans führt: Auf in die Grauzone - Mentale Störmanöver - Der Wahn der Massen - In Zahlen denken - Das Wahrscheinliche abwägen. Viele Menschen glauben laut Evans, dass sie sich auf einem Gebiet auskennen. Selbstgewissheit strahle Autorität aus, Selbstzweifel kämen  nicht gut an, besonders nicht bei Führungskräften. Deshalb seien Führungskräfte anfällig für falsche Risikoeinschätzungen.
„Mein Ansatz versteht Risikointelligenz als kognitive Fähigkeit eines menschlichen Gehirns“, schreibt der Autor. Für die Einschätzung von Risiken gebe es kein Patentrezept und kein Schnellverfahren. Es sei eine Frage der Übung. Man könne die eigene Risikointelligenz verbessern, wenn man die Voraussetzungen und Faktoren, die eine Entscheidung beeinflussen, kenne und sie für jede neue Problemlage neu abarbeite. Risikointelligenz lasse sich auch messen. Die Leser des Buchs haben die Möglichkeit, den RQ-Test im Buch oder online zu machen.

Fallen vermeiden

Die gängigsten Fallen bei der Risikoeinschätzung:

  • Schwarz-Weiß-Denken – es gibt auch Grautöne.
  • Worst-Case-Szenarien – Chancen werden nicht wahrgenommen.
  • Der Wunsch nach 100 Prozent Sicherheit – absolute Gewissheit gibt es nicht.
  • Verzerrte Medienberichterstattung – Medien können über- und untertreiben.
  • Wunschdenken – Realität wird ausgeblendet.
  • Glaubwürdige Quellen – auch ein Freund kann irren.
  • Das war schon immer so – das begrenzt die Vorstellungskraft.
  • Schwätzer – wer viel redet, hat nicht automatisch Recht.
  • Herdentrieb – gegenteilige Einschätzungen werden ausgeblendet.
  • Ungenauigkeit – „erheblich“ oder „wenig wahrscheinlich“ sind nicht aussagekräftig.
Evans untermauert seine Theorie mit Beispielen aus verschiedenen Lebensbereichen und empfiehlt, sich im Schätzen zu üben, auch in Themen, von denen man glaube, sich nicht auszukennen. Entscheidend seien die Recherche und die Fähigkeit, das Thema herunterzubrechen, also in viele Unterfragen zu zerlegen. Wer mit Prozentzahlen schätze, müsse sich bewusst sein, dass die prozentuale Abwägung aller Entscheidungsalternativen immer hundert Prozent betragen müsse. „In dieser Welt ist nichts gewiss und nichts unmöglich“, schreibt Evans. „Es bestehen nur unterschiedliche Grade von Wahrscheinlichkeit.“

RQ – Risikointelligenz. Wie wir richtige Entscheidungen treffen von Dylan Evans, Doemer, ISBN 978-3426275603, € 19,99

geschrieben am 05.11.2013 um 10:03 Uhr.