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lesenswert - bemerkenswert - nachdenkenswert
Das Buch von Rolf Dobelli, Mitgründer der Firma „getAbstract“, Anbieter von komprimierter Wirtschaftsliteratur, befasst sich mit 52 Denkfehlern, die uns in Beruf und Privatleben das Leben schwer machen. Dabei stützt er sich auf Erkenntnisse der Hirnforschung, die er in gut lesbaren und leicht verständlichen Häppchen darbietet.
Buchtipp: Die Kunst des klaren DenkensUnd auch wenn er uns unter dem Stichwort „Authority Bias“ davon abrät, uns auf Autoritäten und Experten zu verlassen, sollte das nicht davon abhalten, sein Buch zu lesen. Man muss nicht alles annehmen, sondern kann durchaus das eine oder andere in Frage stellen.

Fallen erkennen

Grundlage seiner Ausführungen sind zwei Dinge: Zum einen ist unser Gehirn für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert, zum anderen ist es träge und versucht, auf alles mit seinen bisherigen Erfahrungen zu reagieren. Sehr vernünftig ist es nicht und infolgedessen handeln wir meistens alles andere als rational. Die Denkfehler, die darauf basieren, können laut Dobelli verheerend für Geld, Karriere und Glück sein. Er nimmt 52 Denkfallen unter de Lupe, erläutert sie an Beispielen und gibt eine Empfehlung, wie wir sie vermeiden. Allerdings: Die Liste ist nicht vollständig und Dobelli selbst gibt zu, dass auch er es nicht schafft, alle Denkfehler zu vermeiden. „Genaugenommen versuche ich es gar nicht. Denkfehler zu umgehen, ist mit Aufwand verbunden“, sagt er. „In Situationen, in denen mögliche Konsequenzen groß sind, versuche ich, so vernünftig und rational wie möglich zu entscheiden. Ich zücke meine Liste der Denkfehler und gehe sie durch, eine um die andere, wie ein Pilot eine Checkliste benützt.“

Unangenehme Entscheidungen treffen


Sehr schön ist „The Sunk Cost Fallacy“ oder warum man die Vergangenheit ignorieren sollte. Dieses Beispiel kennt wohl jeder Unternehmer oder Manager, dem ein Projekt daneben gegangen ist, in das er viel Geld investiert hat. Es fällt ungeheuer schwer, so ein Projekt zu beenden, weil „man schon so viel Geld, Zeit und Energie darauf verwendet hat“. Der Grund, dass uns das so schwerfällt und wir lieber noch mehr Geld begraben, ist laut Dobelli unser Wunsch nach Glaubwürdigkeit. Brechen wir das sinnlose Projekt ab, geben wir zu, dass wir früher anders gedacht haben als heute. Dobellis Rat: „Es gibt viele gute Gründe, weiter zu investieren, um etwas zum Abschluss zu bringen. Aber es gibt einen schlechten Grund: das bereits Investierte zu berücksichtigen.“ Rational zu entscheiden, bedeute, die aufgelaufenen Kosten zu ignorieren. Es zähle einzig das Jetzt und die Einschätzung der Zukunft.

Es muss nicht immer schlimmer werden

Auch das kennen wir: die „Es-wird-immer-schlimmer-bevor-es-besser-kommt-Falle“. Das bekannteste Beispiel für diese Falle ist das Christentum. Bevor das Paradies auf Erden beginnt, muss die Welt zugrunde gehen. Dobelli meint: „Es gibt tatsächlich Situationen, bei denen es erst nochmals runter- und erst dann wieder raufgeht.“ Aber ein Gesetz sei das nicht. Er glaubt eher, dass es eine Möglichkeit für selbst ernannte Fachleute sei, ihr Unwissen zu verkaufen, so wie der Consultant, der verspricht, die Firma wieder auf den Erfolgspfad zu bringen, aber zuerst gehe es einmal nach unten. Dobelli: „Die Reorganisation eines Firmenbereichs braucht eine gewisse Zeit. Doch in all diesen Fällen sieht man relativ schnell, ob die Maßnahmen greifen. Die Meilensteine sind klar und überprüfbar.“ Wenn also einer kommt, der sagt, es wird schlimmer, bevor es besser wird, sollten die Alarmglocken läuten.

Das Buch beschert seinem Leser auf jeden Fall einige Aha-Erlebnisse. Danach weiß man, warum man das eigene Wissen systematisch überschätzt und andere für dümmer hält, als sie sind; warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten; warum  man  Theorien nachhängt, selbst wenn sie nachweislich falsch sind.

Die Kunst des klaren Denkens von Rolf Dobelli, Hanser-Verlag, ISBN 978-3-446-42682-5-0, 14,90 Euro

geschrieben am 27.03.2012 um 14:30 Uhr.